United Nations Council ChamberEs ist jene Zeit des Jahres, in der das Team Cannabis seine Lieblingspflanze auf der ganzen Welt mit Festivals und anderen Events wie z. B. Pro-Cannabis-Demonstrationen feiert. Die Party wird mit jedem Jahr größer, und für die staatlichen Institutionen wird es immer schwieriger, den Ruf nach Reformen zu ignorieren. Dieses Jahr fällt 420 auch mit einer symbolischen Debatte zeitlich zusammen, die auf der Weltbühne stattfindet – der UNGASS.

UNGASS-Debatte findet zeitgleich mit 420 statt

Es hört sich vielleicht wie eine neue Cannabis-Extraktionsmethode an, die von irgendwelchen Trendsetter-Zirkeln gehypet wird, aber UNGASS ist eigentlich eine weitere jener großartigen Abkürzungen der Vereinten Nationen. Sie steht für United Nations General Assembly Special Session (Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen), und dieser April ist der Monat, in dem das Augenmerk der Mitgliedsstaaten auf Drogen liegt... bzw. dem „weltweiten Drogenproblem“ und der Frage, wie man damit umgeht.

Dies ist möglicherweise bedeutsam, denn viele der Gesetze, die den Cannabiskonsum regulieren (oder dessen Illegalität) sind vom UÜbereinkommen der Vereinten Nationen von 1961 über Suchtstoffe beeinflusst, das unter anderem Cannabis, Marihuana, Haschisch (wie immer auch man es nennen mag!) als Betäubungsmittel einstuft.

Warum ist die UNGASS 2016 eine große Sache?

War on DrugsDie USA haben dieses Übereinkommen seit den 1970er Jahren traditionell aus moralisches Schwert für ihre Rolle als Triebfeder des weltweiten Kriegs gegen Drogen benutzt. Aber zum ersten Mal seit sie den Krieg gegen Drogen begonnen haben, ist eine wirklich starke Stimmung dafür gegeben, eine Cannabislegalisierung zu diskutieren, angetrieben von einigen großen Weltmächten.

Während die USA “Mary Jane” umarmen und Kanada offen davon spricht, die Droge als erste der G7-Mächte zu legalisieren, haben einige Länder in der amerikanischen Sphäre – Kolumbien, Jamaika und Mexiko – damit begonnen, eigene Möglichkeiten zur Erschließung ihrer Cannabis-Spielräume zu untersuchen. Europa ist in Hinblick auf die Rechtslage zwar nach wie vor ein komplizierter Flickenteppich, scheint sich insgesamt aber einer Atmosphäre der Toleranz anzunähern.

Man sollte sich aber nicht zu früh freuen. Wahre Veränderungen erfordern einen internationalen Konsens, und es sind zwei ziemlich große „Elefanten“ mit von der Partie (oder sollten wir sie besser den russischen Bären und den chinesischen Panda nennen?), die nicht gerade für Cannabisfreundlichkeit bekannt sind.

Wird die UNGASS das Ende der Cannabis-Prohibition bedeuten?

Soldier Das Traumszenario: Die Nationen dieser Welt kommen zusammen und erkennen, dass sie es bisher falsch angepackt haben und statt zu kriminalisieren besser reformieren, regulieren, aufklären und tatsächliche schwere Drogenabhängigkeit als gesundheitliches Problem behandeln sollten.

Best Case-Szenario: Der Krieg gegen Drogen wird entschärft und der Fokus mehr auf Schadensreduzierung gelegt, was den einzelnen Staaten den Weg zu Dekriminalisierungs- bzw. Legalisierungsvorhaben öffnet.

Worst Case-Szenario: Es wird debattiert, aber ohne wirkliches Ergebnis (man denke an das Thema Klimaveränderung, bei dem an die Stelle ideologischer schließlich wirtschaftliche Uneinigkeit trat) und ohne Veränderung des gegenwärtigen Status quo.

Wie Kofi Annan die Sache sieht

Kofi AnnanIn einem kürzlich erschienenen Essay für ein deutsches Magazin, Der Spiegel, kritisierte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, dass die jeweilige nationale Drogenpolitik emotional geprägt und nicht vernunftsgeleitet ist.

Er argumentiert, dass jedes Jahr mindestens 100 Milliarden Dollar für die Durchsetzung der globalen Prohibitionspolitik ausgegeben werden, und dennoch weltweit bis zu 300 Millionen Menschen alle möglichen Drogen konsumieren, wodurch eine jährlich 330 Milliarden Dollar schwere Schwarzmarkt-Industrie befeuert wird.

Kofi Annan fordert vier simple Maßnahmen pro Legalisierung, die dazu beitragen würden, „die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschheit“ – den eigentlichen Zweck jenes Übereinkommens der Vereinten Nationen von 1961 über Suchtstoffe – zu schützen:

  • Den persönlichen Besitz zu dekriminalisieren.
  • Zu akzeptieren, dass eine drogenfreie Welt ein nicht erreichbares Ziel ist.
  • Repression durch Regulierung und Aufklärung zu ersetzen.
  • Zu verstehen, dass Drogen individuell und präzise reguliert werden müssen, denn sie sind mit Risiken verbunden.

Für jeden Cannabiskonsumenten, aber auch viele gut unterrichtete Nicht-Konsumenten, sind dies Maßnahmen des gesunden Menschenverstandes, die von einem allseits respektierten Welt-Staatsmann vorgeschlagen werden. Das Ganze sollte eigentlich kinderleicht sein. Aber in einer Welt, in der der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ein Mann sein könnte, auf dessen Kopf ein kleines Tier zu nisten scheint, mangelt es leider oft an gesundem Menschenverstand.

Also zündet anlässlich des diesjährigen 420 einen Spliff an, haltet ihn in die Luft und wünscht Euch den Wechsel herbei, der von der weltgrößten Bühne der Politik ausgehen soll! Wir sollten dem Weg, den die UNGASS einschlagen könnte, frohgemut entgegensehen, gleichzeitig leider aber auch auf eine Enttäuschung vorbereitet sein...