Diesen Monat haben wir Steve Pilaff, einen Soziologen aus England, als Gastautor dabei. Er hat sich mit den Tabus beschäftigt, mit denen die Diskussion über das Thema Cannabis in der Gesellschaft behaftet ist.

Sich Zu Seinem Cannabiskonsum Bekennen. Deinen Kindern Erzählen, Dass Du Gras Rauchst - Paradise SeedsIch habe ein Geheimnis. Ich rauche Cannabis!

Mit einem Geheimnis leben. So sieht das Leben von Millionen Cannabiskonsumenten auf dieser Welt aus. Diese Sache, die Du da betreibst, diese Leidenschaft für Gras oder Hasch, diese erholsame Freude oder medizinische Notwendigkeit... ist etwas, was Du fast Dein ganzes Leben lang versucht hast zu verheimlichen.

Wenn man mit Cannabiskonsumenten spricht, vor allem in Großbritannien, aber auch anderen europäischen Ländern, in denen Cannabis illegal ist, hört man eine Sache immer wieder: Die Konsumenten führen ihre Unterhaltungen immer anders, passen sie an die Gesellschaft an, in der sie sich gerade befinden. Mit manchen Menschen – in der Regel ebenfalls Konsumenten – können sie beim Thema Cannabiskonsum ehrlich sein, doch bei den meisten müssen sie ein Geheimnis daraus machen.

Je älter man wird, desto schwieriger wird die Sache! Wie mir mal ein sehr angesehener Anwalt um die Vierzig erzählte: „Manchmal lernt man jemand neues kennen, beispielsweise auf einer Party, und man hält es für möglich, dass der andere ebenfalls Konsument ist. Man verbringt die Konversation damit, nach Anhaltspunkten dafür zu suchen und führt diesen eigentlich verrückten „kleinen sozialen Tanz“ auf, bis man sich sicher ist. Und auf einmal steht man draußen, raucht einen Joint zusammen und fühlt sich verbunden in einer Art von Geheim-Club!“

So etwas gibt es beim Alkohol nicht. In Großbritannien, wo Komausaufen ein echtes Problem ist, ist es gesellschaftlich völlig akzeptiert, davon zu sprechen, dass man bis zum Umfallen säuft. Wir können im Büro am Wasserkühler stehen und offen darüber reden, sich am Wochenende abzuschießen, und der Gesprächspartner wird nicken, lächeln und denken, dass dies vollkommen normal ist.

Mit Deinen Kindern über Cannabis sprechen

Sich Zu Seinem Cannabiskonsum Bekennen. Deinen Kindern Erzählen, Dass Du Gras Rauchst - Paradise Seeds Für viele Konsumenten stellt das Gespräch innerhalb der Familie eine große Hürde dar. Für die Millenniumsgeneration (jene, die um die Jahrtausendwende herum geboren wurden) ist dies eine Unterhaltung die zwischen Kindern und Eltern stattfindet (oder eben häufig auch nicht). Für die Generation X und Y, ist es eine Unterhaltung, die zwischen Eltern und Kindern stattfindet (oder nicht).

“Ich habe immer gedacht, dass ich gegenüber meinen Kindern ehrlich sein würde mit meinem Cannabiskonsum”, sagt eine Mutter, die gerade 39 geworden ist. „Aber es ist so schwer, sich tatsächlich darüber zu unterhalten, besonders, weil die Drogen-„Aufklärung“ in der Schule so stark von einer Null-Toleranz-Politik bestimmt wird.“

Ein kürzlich auf der Website Leafly.com veröffentlichter Artikel beinhaltet eine Diskussion unter Mitarbeitern dieser „weltgrößten Cannabis-Anlaufstelle“, bei der es um das „Cannabis-Outing“ innerhalb der Familie geht. Sie erleben offenbar genau die gleiche unangenehme Lebenswirklichkeit. Einer berichtet: „Es ist noch schwerer, mit Kindern darüber zu reden, denke ich. Weil man seine Worte wirklich sehr sorgfältig wählen und die Dinge so klar und sachbezogen wie möglich darstellen muss. Was immer man ihnen erzählt – es wird von ihnen gegenüber anderen Kids wiederholt und weitergereicht werden.“

Wenn man mit Cannabis konsumierenden Eltern spricht, scheint dies eine weit verbreitete Furcht zu sein – welche Auswirkungen eine solche Konversation auf das Kind haben könnte. Wie mir mal jemand sagte, „Ich hatte das Gespräch mit meinem zwölf Jahre alten Sohn geführt und es kam eigentlich gut bei ihm an. Keine große Sache zwischen uns. Aber jetzt fühle ich mich schuldig dafür, dass er dieses Geheimnis mit sich herumtragen muss, insbesondere in Situationen wie in der Schule, wo meine Beichte in Konflikt mit dem gerät, was man ihnen dort über Cannabis erzählt. Auf lange Sicht jedoch denke ich, dass es nur von Nutzen sein kann, wenn man diese Sache offen diskutiert, spätestens dann, wenn mein Sohn ins Teenager-Alter kommt und Spaß haben will.“

Es gibt kein Richtig und Falsch. Leider leben die meisten von uns in einer stigmatisierten Welt, was Cannabis betrifft, und das, obwohl die allermeisten Cannabiskonsumenten selbst eine liberale Haltung verinnerlicht haben. Das Gespräch über Cannabiskonsum ist also schwierig, meines Erachtens aber unerlässlich.