Die Blicke sind im Mai weltweit auf Frankreich gerichtet, wo der nächste Präsident gewählt wird. Für viele politische Beobachter verläuft hier die Frontlinie im Kampf liberaler und konservativer Ideale, und das Ergebnis könnte tiefgreifende Auswirkungen auf Europa haben.

Neben den heiß diskutierten aktuellen großen Themen – dem Anstieg der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem politischen Establishment und der zunehmenden Popularität rechtsgerichteter Strömungen, brennt Frankreichs geschätzten 1,4 Millionen Cannabiskonsumenten (bei einer Gesamtbevölkerung von 66 Millionen) die Frage der Cannabisreform unter den Nägeln.

Die Wahl in Frankreich und ihre Bedeutung für die Cannabispolitik - Paradise SeedsDie Cannabis-Szene in Frankreich

Das nationale Motto “Liberté, égalité, fraternité” (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) mutet den französischen Cannabiskonsumenten schon lange sinnentleert an, denn sie müssen ihrer Leidenschaft im Verborgenen fröhnen. Zur Zeit verhält es sich so, dass man als erwischter Cannabiskonsument in Frankreich mit bis zu 3.750 Euro zur Kasse gebeten werden kann und einer potenziellen Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr ins Auge sieht, wobei dies in der Praxis selten vorkommt. Gemäß einer von der französischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogenabhängigkeit durchgeführten Umfrage halten 84% der Franzosen die gegenwärtige Gesetzgebung für wirkungslos und wünschen sich, dass die Politik sie überarbeitet.

Jüngsten Berichten zufolge rangiert Frankreich beim Cannabiskonsum junger Menschen in Europa in der Spitzengruppe. Haschisch ist unverändert eine beliebte Wahl, weil es sich leichter verstecken lässt und die Qualität von auf der Straße gekauftem Gras oft schlecht ist. Es gibt jedoch eine neue Generation von Cannabis-Growern – indoors wie outdoors – die über gutes Fachwissen und ausgeprägte Grow-Fähigkeiten verfügen.

“Ignorante Politiker, mundtot gemachte Medien, Ammenmärchen – das alles ergibt zusammen einen verheerenden Cocktail, den man auch als französische Reefer Madness bezeichnen könnte“, erzählte ein französischer Grower kürzlich auf der Spannabis-Messe in Barcelona. „Die Medien produzieren Dokumentationen, die längst überholte Thesen als Wahrheiten präsentieren, und Regierungsvertreter haben öffentlich verkündet, dass Cannabis mit Ecstasy versetzt wird, um es stärker zu machen, auch gibt es keinerlei öffentliche Aufklärung über sicheren Cannabiskonsum.“

Vor diesem Hintergrund ist es umso erfreulicher, dass der Graswurzel-Aktivismus in Frankreich wächst und gedeiht. Organisationen wie die UFCM (French Union for Cannabinoids in Medicine), und Cannabis Sans Frontieres(„Cannabis ohne Grenzen“,) zählen zu den Gruppierungen, die sich in Sachen Informationsvermittlung, Aufklärung und Reformbestrebungen stark engagiert haben. Letztes Jahr haben wir auch über die Arbeit der ASUD (Selbsthilfe für Drogenkonsumenten) berichtet, die das macht, was eigentlich Aufgabe der Regierung ist, indem sie sichere Methoden des Cannabiskonsums propagiert.

Cannabis Sans Frontières - Paradise SeedsWird ein neuer Präsident einen Wandel der französichen Cannabispolitik einleiten?

Besteht Hoffnung, dass Cannabis in Frankreich dekriminalisiert oder gar legalisiert werden wird? Das hängt davon ab, welchen Kandidaten man betrachtet! Bei der anstehenden Wahl sind dies die wichtigsten Kandidaten für Wähler, die ihre Demokratie gern mit etwas Marihuana garnieren möchten:

- Benoît Hamon (linksgerichtet, Sozialist)
Er ist nicht gerade ein großer Befürworter von Cannabis, kritisiert aber gern das Versagen der Verbotspolitik und tritt für eine kontrollierte Dekriminalisierung ein, die ein Staatsmonopol für die regulierte Abgabe von Cannabis in therapeutischem Rahmen vorsieht. Dieser Ansatz ist stark vom uruguayischen Modell beeinflusst.

-Emmanuel Macron (gemäßigt, En Marche!-Bewegung)
Obwohl er zunächst die aus einer Dekriminalisierung oder Legalisierung resultierenden Vorteile zu schätzen schien, hat Macron im letzten Monat einen Rückzieher gemacht und vertritt nun eine gegen Legalisierung gerichtete Haltung.

- François Fillon (gemäßigter Rechter, Republikanische Partei)
Er ist gegen Dekriminalisierung und sieht Cannabis als Plage an, als Negativbeispiel führt er das „Versagen“ der niederländischen Drogenpolitik an. Er befürwortet eine Gesetzesverschärfung, um das Drogenproblem in den Griff zu bekommen.

-Marine Le Pen (rechtsgerichtet, Front National)
2012 sagte Le Pen, dass Frankreich dabei sei, den Krieg gegen Drogen zu verlieren, weil es den Kampf überhaupt nicht aufgenommen habe. Sie ist strikt gegen jegliche Entspannungspolitik und befürwortet eine Verschärfung der Strafverfolgung mittels verstärktem Polizeieinsatz und repressiverer Gesetze.

Wer wird bei der Wahl in diesem Monat triumphieren? In der Ära von Brexit und Trump erscheint es fast unmöglich, den Ausgang eines politischen Wettstreits wie diesem vorherzusagen, aber viele hoffen, dass die berühmte rot-weiß-blaue Tricolor-Flagge eine ganz leichte Grüntönung zeigt, wenn sie das erste Mal zu Ehren des neuen Präsidents gehisst werden wird!