Jamaican MountainsFast 40 Jahre nach der Veröffentlichung von Peter Toshs Ganja-Hymne Legalize it, hat sein Heimatland nun mit einer Entscheidung der Regierung einen Riesenschritt auf dem Weg zur Erfüllung dieses Traums gemacht. „Ärzte rauchen es, Krankenschwestern rauchen es, Richter rauchen es“, sang Tosh in seinem Klassiker aus dem Jahre 1976. Nach der jüngsten Ankündigung des Justizministers werden es bald vielleicht sogar Regierungsminister rauchen...

Peter ToshJamaika und Ganja passen zusammen wie Erbsen und Möhren, aber bisher hat der Inselstaat viele seine Bürger zu Kriminellen gemacht, sogar wenn sie nur kleine Mengen an Gras besitzen. Dies wird sich jedoch mit einer entsprechenden Gesetzesänderung in diesem Sommer ändern.

Das Time Magazine zitierte Mark Golding, den Justizminister von Jamaika, der gesagt hatte, dass das Kabinett Gesetzesänderungen zugestimmt habe, die „den Besitz kleiner Mengen von Ganja zum persönlichen Gebrauch betreffen.“ Er fügte hinzu, dass das neue Gesetz auch für den Konsum an privaten Orten und den Konsum „zu medizinischen Zwecken“ gelte. Demnach werden Konsumenten, die mit weniger als 56 Gramm erwischt werden, geringe Geldstrafen oder Sozialarbeit auferlegt werden.

Aus Medienberichten ging hervor, dass die Entscheidung der jamaikanischen Regierung Teil eines regionalen Trends war. Voice of Russia berichtete, dass Jamaika auf die Entspannungspolitik anderer Staaten in der Region reagiert habe, auf die Tatsache, dass sich der gesetzliche Status von Marihuana in 22 US-Bundesstaaten geändert hat (von Dekriminalisierung hin zu legaler medizinischer Verwendung), und dass Uruguay Cannabis legalisiert hat. In der Vergangenheit hatte Jamaika sich allen Forderungen nach einer Änderung widersetzt, aus Angst von US-Sanktionen infolge der Verletzung internationaler Drogenabkommen.

Ganja auf Jamaika

Auf Jamaika, einer der größten karibischen Inseln, leben fast drei Millionen Menschen. Es hat eine gemischte Ökonomie, bestehend aus Tourismus (eine Million Menschen besuchen die Insel jährlich), Bergbau (Jamaika ist weltweit der fünftgrößte Exporteur von Bauxit), Landwirtschaft (das Land produziert u. a. Zucker, Bananen, Kaffee) und Rum.

SaddhuAllgemein herrscht Einigkeit darüber, dass Marihuana im neunzehnten Jahrhundert zum ersten Mal nach Jamaika kam. Nachdem die Sklaverei offiziell abgeschafft worden war, wurden indische Arbeiter zwecks Plantagenarbeit auf die Insel gebracht. Sie führten Cannabissamen aus der Kush-Region mit sich, die im karibischen Klima hervorragend gediehen. Das Wort ganja ist vom indischen Namen für den Fluss Ganges abgeleitet (dem Wort गंगा in der Hindi-Sprache, oder gaṅgā).

Manche Gelehrte sehen eine Parallele zwischen den heiligen Sadhus in Indien und den Rastafaris, oder kurz Rastas, auf Jamaika. Sie teilen die gleiche Art von Spiritualität, die Hingabe zum Ganja sowie eine äußerliche Ähnlichkeit, die deutlich den indischen Einfluss zeigt.

Der Rest der Welt wusste nur wenig über diese jamaikanische Kultur, bis Bob Marley den Reggae-Sound prägte und in den 1970er Jahren zu einer internationalen musikalischen Sensation machte. In den folgenden Jahren färbte Reggae die Welt rot, gold und grün und führte die Kultur des Spliff-Rauchens in den Mainstream ein, mit Liedern über Sensimilla (auch bekannt als Sensi oder Sens) und collieweed.

Während das Klima auf Jamaika perfekt ist für den Marihuana-Anbau, der auf der gesamten 235 km langen Insel praktiziert wird, musste dieser jedoch im Verborgenen stattfinden. Neben größeren Farmen, die Gras für kriminelle Organisationen anbauen, gibt es auch viele kleine Pflanzungen, kultiviert von Einheimischen, die damit über die Runden zu kommen versuchen.

Manche sehen den Dekriminalisierungsprozess im Lichte einer möglichen Einnahmequellenverbesserung für das Land (der Ganja-Tourismus existiert bereits seit vielen Jahren auf der Insel), aber ein Artikel auf der ABC News-Website zeigt auf, dass Jamaica auch an der Erforschung medizinischer und anderer wissenschaftlicher Verwendungsmöglichkeiten interessiert ist. Es wird berichtet, dass der Justizminister Golding sagte: „Es ist nicht nur falsch, sondern auch töricht, ein Gesetz aufrecht zu erhalten, dass den Besitz von Ganja und anderer Cannabisprodukte zum Zwecke der medizinischen Verwendung verbietet.“

Seit es auf die Insel gelangt war, wurde Marihuana dort zu allen Zeiten medizinisch genutzt, und Einwohner jeglichen Alters, nicht nur Rastas, haben Cannabis traditionell auch für Lotionen und Tinkturen verwendet, als Heilmittel bei schlechter Gesundheit. Mit der nun anstehenden Gesetzesänderung wird vielleicht die Möglichkeit geschaffen, diese medizinische Tradition zu verbreiten, die Vorzüge von Marihuana in die große weite Welt zu exportieren.

TL