Sicherere Methoden des Cannabiskonsums - Paradise SeedsDiesen Monat erscheint bei Paradise Seeds ein Gastartikel unseres alten Freundes Laurent Appel, einem französischen Journalist, Filmemacher und Aktivisten. Er ist auch ein Experte in Sachen Drogenpolitik und Schadensminderung und arbeitet auf diesen Gebieten mit den Organisationen ASUD (Selbsthilfegruppe für Drogenkonsumenten) und Principes Actifs zusammen.

Was bedeutet Schadensminderung?

Im Zusammenhang mit Drogen wurde Schadensminderung in den 1980er Jahren zu einem bekannten Begriff. Man verwendete in anfangs in Bezug auf Heroinkonsum, aber dann wurde er auch in der Clubszene gebräuchlich, im Rahmen des Testens von Partydrogen bei Raves und Chill Out-Parties.

Der Ansatz der Schadensminderung ist ein pragmatischer: Drogen sind illegal und können eine ernsthafte Gefahr darstellen, aber wenn sich jemand für ihren Gebrauch entscheidet, sollte er dies sehr bewusst tun, ausgestattet mit einer guten Kenntnis des Produkts und unter Verwendung geeigneter Utensilien, um die Risiken so gering wie möglich zu halten.

Solche Praktiken basieren auf gesicherten Grundlagen und haben eine sehr positive Auswirkung auf den Konsumenten, aber auch im erweiterten Sinne auf die öffentliche Gesundheit. In den letzten fünf Jahren ist dieser Ansatz allmählich zu einer weltweit anerkannten Strategie für alle Arten von Drogen geworden, sowohl legale als auch illegale, darunter auch die drei populärsten: Alkohol, Tabak und Cannabis.

Alternativen zum Rauchen bieten die Möglichkeit, sicherer zu konsumieren

Sicherere Methoden des Cannabiskonsums - Paradise SeedsDurch moderaten Gebrauch von purem Cannabis, „richtiges“ Inhalieren mittels Vaporizern oder Niedrigtemperatur-Dabben, durch die Einnahme von essbaren Cannabisprodukten, Kapseln, Tropfen oder Spray kann man die Risiken, die mit der traditionellen Cannabiskonsumform, dem Rauchen, einhergehen, auf vernünftige Weise reduzieren. Es ist eine gute Sache, darüber Bescheid zu wissen und solche Alternativen zu praktizieren.

In ihrem ersten Bericht über das Thema, „Harm reduction: evidence, impacts and challenges" führt die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) eine entsprechende Empfehlungsliste auf, und zwar in dem Kapitel "Harm reduction policies for cannabis" (Wayne Hall and Benedikt Fischer). Dies sind:

• Vermeide es, mehr als einmal in der Woche zu konsumieren, um das Risiko zu minimieren, dass die geistige Gesundheit Schaden nimmt oder eine Abhängigkeit entsteht.

• Meide die Konsumform des Rauchens mittels einer Bong oder eines Joints und benutze stattdessen einen Vaporizer.

• Wenn du Cannabis rauchst, vermeide allzu tiefes Inhalieren oder die Praktik des Luftanhaltens, um das Risiko von Atemwegsproblemen zu reduzieren.

Sicherere Methoden des Cannabiskonsums - Paradise Seeds• Fahre kein Auto etc. und bediene keine Maschine, wenn Du unter Cannabiseinfluss stehst. 

Diese Anweisungen sind sicherlich alles andere als perfekt. Es sollte mehr Betonung darauf gelegt werden, Cannabis nicht mit Tabak zu mischen und es im Falle des Rauchens oder Verdampfens nicht auch noch zusätzlich zu essen. Auch die „Einmal-in-der-Woche-konsumieren“-Empfehlung ist für die meisten Cannabiskonsumenten alles andere als realistisch... geht aber in die richtige Richtung.

In keinem Land gibt es eine großangelegte Aufklärungskampagne

Die Empfehlungen etlicher anderer Experten machen ebenfalls eines deutlich – dass wir eine spezifische Schadensminderungsempfehlung für Cannabis brauchen und diese weltweit propagieren müssen. Leider sieht es momentan so aus, dass nur wenige Regierungen und öffentliche Gesundheitsinstitutionen diesen Empfehlungen ansatzweise folgen. Die offizielle Strategie besteht fast überall immer noch darin, für totale Abstinenz zu werben, und das mittels riesiger Propaganda, die auf völlig übertriebenen Einschätzungen des Gefahrenpotentials basiert. Dies ist kontraproduktiv und muss geändert werden.

Die Cannabis-Community muss die Sache also selbst in die Hand nehmen, ihre Mitglieder sollten sich gegenseitig in Sachen Schadensminderungsmaßnahmen schulen. In meinem nächsten Artikel werde ich genauer auf Möglichkeiten der Schadensminderung beim Cannabiskonsum eingehen, zum Beispiel das „Pur-Rauchen“!