Marijuana flower growing under LED lightEin oft gehörte Redensart unter holländischen Growern ist “nur wenn normale Gewächshaus-Grower es benutzen, kann man es ernst nehmen.” Nun, seit Philips als eine der treibenden Kräfte der LED-Revolution seine GreenPower LED-Beleuchtung für professionelle Grower auf den Markt gebracht hat, setzt eine zunehmend größere Zahl von ihnen diese Technologie ein. Ein nicht unwichtiges Detail: Bisher sind die GreenPower LEDs nicht dazu gedacht, HID-Lampen zu ersetzen, sondern für mehretagige Kultivierung vorgesehen, bei der sich in einem mehretagigen Gerüst übereinander mehrere Ebenen mit kleinen Topfpflanzen befinden. Hier ist also eine ganz andere Situation gegeben als in einem typischen Grow-Raum.

Bereits seit einigen Jahren ist die LED- (Light Emitting Diodes-) Growbeleuchtung eine irgendwie schwer zu fassende Materie. Was der LED sicherlich nicht geholfen hat, sind die marktschreierischen Lobeshymen, mit denen die Hersteller ihre Produkte zu bewerben pflegen, wie z. B. “Unser 90 Watt LED-System ersetzt eine 400 Watt HPS-Lampe.” Falls Du einer der leichtgläubigen frühen Anwender dieser Technologie gewesen sein solltest, wirst Du Dich mittlerweile bestimmt in einen entschiedenen Nicht-Gläubigen verwandelt haben.

Viele Leute scheinen der traditionellen Hochdrucknatriumdampf-Lampen überdrüssig zu sein, aufgrund horrender Stromrechnungen, durch Infrarotsuchsysteme aufspürbarer Wärmesignaturen, des Brandrisikos und der Schwierigkeit, die es oft bereitet, die Temperaturen innerhalb akzeptabler Grenzen zu halten.

Zudem gibt es einen Trend in Richtung kleinerer Anbau-Einheiten wie z. B. Folienzelte, was die Temperaturkontrolle noch weiter erschwert. “Die Beschaffenheit dieser Leuchten ist einfach so elegant im Vergleich zu einer Glühlampe oder fluoreszierenden Röhre (eine Technologie aus den 1930er Jahren), dass ich einfach will, dass sie funktioniert”, schreibt ein Forum-Mitglied.

LED powered weed budsDieser Satz scheint die Gefühle von nicht wenigen Growern, die vom Konzept der LED-Beleuchtung entzückt sind, gut zusammenzufassen. Das weiß ich, denn ich war einer von ihnen. Mir wurden zwei LED-Armaturen für einen Test angeboten, der in einem umgewandelten Schrank durchgeführt werden sollte, in dem ich es zuvor einfach nicht geschafft hatte, einen guten Grow mit HPS-Lampen zu realisieren. Es hatte sich als nicht zu meisternde Herausforderung erwiesen, im Sommer die überschüssige Wärme loszuwerden – zumindest dann, wenn ich meine Nachbarn nicht mit dem permanenten Summen meines riesigen Luftabsaug-Ventilators aus dem Bett schütteln wollte.

Sogar die Leute “mit der ganz großen Ahnung” warnten mich, dass LEDs keine ernsthafte Alternative zu traditioneller Grow-Beleuchtung seien, aber ich war entschlossen, ihnen das Gegenteil zu beweisen. War der Typ, der mir die Test-Modelle angeboten hatte, nicht ein vernünftiger, bodenständiger Kerl gewesen? Aber sogar er konnte kein fotografisches Material vorweisen, dass unwiderlegbare Beweise für die Leistungsstärke seines Produktes geliefert hätte. Egal, ich startete den Test mit dem unbedingten Willen zum Erfolg und bereitete im Grow-Raum alles perfekt vor. Nun, was passierte? Klar, sogar an den heißesten Tagen war die Hitze kein Problem mehr. Aber nach dessen Lösung taten sich dafür einige neue auf.

Während der Winterzeit wurden zu kühle Temperaturen zum Problem, die Abwesenheit hoher Temperaturen führte zu weniger Transpiration und damit einem geringeren Wasserbedarf, wodurch sich gleichzeitig auch die Nährstoffbedürfnisse änderten. Obwohl ich also mit komplett neuen Parametern klarkommen musste, konnte ich mit der 300 Watt LED-Einheit gutes gesundes Wachstum und sehr schöne Blüten erzielen, aber der Ertrag war ziemlich enttäuschend: Nicht einmal ein halbes Gramm pro Watt. Und dann war da ja noch die zusätzliche Zeit, die ich den Pflanzen zur vollen Ausreifung geben musste: Die Blüte dauerte mindestens zwei Wochen länger als ich es gewohnt war. Andere LED-Grower haben übrigens jedoch genau das Gegenteil berichtet. Nun, mein Test liegt zwei Jahre zurück, und die LED-Technologie entwickelt sich rasend schnell, es kann also sein, dass meine Erfahrungen mittlerweile durch neue Entwicklungen auf diesem Gebiet überholt sind. Was herauszufinden ist...

THC-tropfende Blütenfotos sind gefragt

LED Cannabis Grow BudsIn Foren gibt es eine Menge Diskussionen, technische Fachsimpeleien und sogar LED-Growberichte, aber man findet nur selten – wenn überhaupt – einen Grow-Report, der ansprechend und seriös gestaltet ist, THC-tropfende Blütenfotos zeigt sowie relevante Zahlen nennt, im Idealfall Gramm pro Watt, und den Ertrag mit den Ergebnissen vorangegangener Grows im selben Grow-Raum vergleicht.

Eine Erklärung für die reservierte, abwartende Haltung vieler potenzieller Anwender ist die Preisfrage: Pro Watt ist auch das preisgünstigste LED-Lichtsystem um ein Mehrfaches teurer als die entsprechende HPS-Variante, einschließlich etlicher Ersatzlampen. LED-Systeme mit 100 Watt kosten ca. 220 Euro und mehr, solche mit 325 ca. 730 Euro, und Ausführungen mit 600 Watt oder mehr erleichtern Deinen Geldbeutel um ca. 1100 Euro oder sogar (viel) mehr. Obwohl die Produktion von LEDs nicht besonders teuer ist, wird viel Geld in ihre Entwicklung gesteckt, speziell in die Suche nach leistungsfähigeren LEDs, es kann also eine gewisse Zeit dauern, bis sich die Preise auf einem konkurrenzfähigen Level einpendeln.

Aber sogar wenn man die potenzielle Einsparungen beim Strom mit einberechnet, könnte ein anderer Faktor eine allzu optimistische Kalkulation zunichte machen: Qualität. Besonders bei Billig-Marken scheint die mangelnde Zuverlässigkeit der Produkte ein immer wieder auftauchendes Problem zu sein. Ein Problem zudem, das für gewöhnlich schwer zu lösen ist, da der Verkäufer bzw. Hersteller im Regelfall in China sitzt. Eine beschädigte LED-Armatur zurück nach China zu schicken, kann Dich mehr kosten als das Produkt selbst. Also erweist sich das zweite Argument pro LED, ihre Langlebigkeit, in manchen Fällen als Rohrkrepierer. Und dann ist da ja noch da Argument, das im wahrsten Sinne des Wortes das meiste Gewicht einbringt: Zumindest theoretisch würden die meisten von uns ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern wollen, aber dies wohl kaum, wenn dadurch die Erträge deutlich geringer ausfielen als normal.

Die Unbeirrbaren

Einige Enthusiasten sind frei von jeglichen Zwefeln und davon überzeugt, dass man mit LEDs bereits jetzt ähnliche oder sogar bessere Ergebnisse erzielen kann. “ Mein 250 Watt LED-System ist zwar nicht groß genug, um es leistungsmäßig mit einer 1000 Watt HPS-Lampe aufzunehmen, aber es kann Buds von der gleichen Größe hervorbringen, wie ich sie in meinem größeren Grow-Raum unter HPS erreicht habe”, berichtet ein Grower, der ein Magnum Plus2-System verwendet. “LEDs sind einfach keine logische oder effiziente Beleuchtungslösung für größere Grow-Operationen, es sei denn, man setzt sie als zusätzliche Lichtquelle ein. Für Grower, die ihr Gras in kleinen Zelten, Wandschränken oder Besenkammern anbauen, sind sie aber hervorragend geeignet. Es gibt LEDs, die einen Wert von einem Gramm pro Watt oder mehr erreichen können, es gibt ganz einfach gute und schlechte Produkte. Der Verbraucher muss hier ausgiebige Nachforschungsen anstellen, genauso wie wenn er vor der Frage steht, welche Genetik er kaufen soll.”

Ein anderer Anwender (medgrower) hat sogar noch weniger Bedenken. “Vorher verwendete ich zwei 400 W HPS-Lampen, um vier Pflanzen anzubauen, die zur Blütezeit ca. 1,20 m hoch sein sollten. Jetzt setze ich drei 100 W Evolution Grow LED-Armaturen für das gleiche Grow-Szenario ein und erziele damit bessere Ergebnisse.” Um die Behauptung dieses Growers ins rechte Licht zu rücken: Unter Verwendung von 800 Watt HPS erzielte er einen Ertrag von 370 Gramm, und nach seinem Umstieg auf ein 300 Watt LED-System wollte er diesen dann auf 440 Gramm gesteigert haben.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass man mit LEDs gute Buds erzielen kann, womöglich sogar herausragende. Aber man sollte nicht erwarten, dass man mit lediglich einem Viertel der Wattzahl einer üblichen HPS-Beleuchtung die gleichen Erträge erzielen kann. Außerdem muss man etwas Zeit dafür einplanen, bei den neuen Parametern die richtige Balance zu finden. Für manche Grow-Szenarien können LEDs aber unter Umständen die einzig vernünftige, wenn auch teure Lösung ein, z. B. beim Anbau in besonders kleinen Grow-Kammern. Es ist von zentraler Bedeutung, eine verlässliche LED-Quelle zu finden. Du wirst eine Menge Hausaufgaben zu erledigen haben, wenn Du herausfinden möchtest, welche Marken es wert sind, dass Du Dein sauer verdientes Geld in sie investierst. Auf Amazon.com beispielsweise gibt es eine Vielzahl von entsprechenden Kundenbewertungen. Unabhängige Informationen sind indessen schwer zu finden, also schalte Deinen Kopf ein, bevor Du eine Bestellung aufgibst!

JS