Wir von Paradise Seeds freuen uns, eine neue Gast-Bloggerin in unserem Team begrüßen zu dürfen. Dr.Viola Brugnatelli ist die wissenschaftliche Direktorin von Cannabiscienza, einer E-Learning-Akademie rund um das Thema Medizinalhanf und Endocannabinoidsystem - für Menschen, die im italienischen Gesundheitswesen arbeiten. An der Universität Padua (Italien) ist sie ist auch Dozentin für diese Themen und arbeitet dort als Forscherin in der neurowissenschaftlichen Abteilung. Zudem ist sie die italienische Botschafterin der IACM (Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin).

Diesen Monat widmet sie sich in ihrem Blog der Behandlung von dermatologischen Krankheiten mit Cannabis.

dermatitis

Dermatitis: Die Behandlung mit medizinischem Cannabis 

Die bisher vorliegenden Daten zum Einsatz von Cannabinoiden bei der Behandlung dermatologischer Krankheiten deutet auf ein breites Spektrum potenziell nützlicher Anwendungen hin. Leider basieren die meisten Daten momentan noch auf Laborergebnissen, er herrscht noch ein Mangel an randomisierten kontrollierten Studien zu diesem Thema. Aber werfen wir einen Blick auf die Anwendung von medizinischem Cannabis bei Dermatitis.

Was ist Dermatitis?
Dermatitis – man spricht auch von Ekzemen – ist eine entzündliche, nicht ansteckende Reaktion der Haut, die einen Ausschlag verursacht, der mit Juckreiz, Hautrötung sowie Bläschen- und Krustenbildung einhergeht. Die üblichsten Ekzemformen sind Kontaktdermatitis, asteatotisches Ekzem und atopisches Ekzem. Von diesen drei sind ungefähr 3,5% der Weltbevölkerung betroffen, sie beruhen hauptsächlich auf genetischen und umweltbedingten Faktoren.

Das Endocannabinoidsystem: Regulierung gegen Dermatitis 

Sogar bei Dermatitis zeigen verschiedene Studien, dass eine Regulierung des Endocannabinoidsystems zu guten Ergebnissen führen könnte. Eine Studie mit Labortieren zeigte, dass CB2-Rezeptoren eine Rolle bei Kontaktdermatitis spielen, diese Krankheitsform wird so genannt, weil sie durch den Kontakt mit Reizstoffen oder Allergenen ausgelöst wird. Als sowohl Aktivatoren als auch Blocker von CB2 verwendet wurden, nahm die Entzündung zu, als aber inverse Antagonisten verwendet wurden (die an den Rezeptor binden und ihn deaktivieren), sowohl systemisch als auch äußerlich, wurde dagegen ein Rückgang der Entzündung erreicht. (1)

Ein asteatotisches Ekzem kommt häufig bei älteren Menschen vor. Typisch dafür sind Juckreiz und trockene raue schuppige Haut. Die Beschwerden verschlimmern sich oft in der Winterzeit, was mit der Interaktion der Haut mit verschiedenen Stoffen aus der Umwelt wie z. B. Seife und Waschmittel zu tun hat. Bei einer randomisierten Doppelblind-Studie mit 60 an asteatotischen Ekzemen leidenden Patienten stellte sich heraus, dass eine Hautpflegecreme mit den Cannabinoid-artigen Stoffen Palmitoylethanolamin (PEA) und Acetylethanolamin (AEA) wirksam war bei der Verbesserung der Feuchtigkeitsversorgung trockener juckender Haut. (2) 

Die atopische Dermatitis, auch Neurodermitis genannt, tritt als plötzliche Hautentzündung auf, typischer Weise einhergehend mit Trockenheit, Juckreiz, Hautrötung und Bläschenbildung. Da ihr Entstehungsgrund unbekannt ist – man nimmt an, dass sie eine Folge der Kombination von angeborenen Faktoren, Stress und Jahreszeitenwechsel ist – behandeln die gängigen Gegenmittel nur die Symptome, nicht aber die Ursache.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass PEA (ein aus Fett gewonnener chemischer Stoff, der als natürliches Analgetikum fungiert) sehr effektiv sein kann bei der Behandlung atopischer Dermatitis. PEA schränkt die Aktivität von FAAH-Enzymen ein, die Endocannabinoide metabolisieren, dadurch steigert es wiederum die Verfügbarkeit von Anandamiden, die über die in Hautzellen enthaltenen TRPV1-Rezeptoren einen juckreizstillenden Effekt bewirken. (3) PEA hat auch eine direkte juckreizstillende Wirkung, und zwar über die Einwirkung auf CB2: Mymix, eine PEA enthaltende, auf die lamellare Hautmatrix wirkende Creme, reduziert Juckreiz und Hautentzündungen und fördert den Rückgang der atopischen Dermatitis.(4) 

Eine prospektive Beobachtungsstudie mit 2456 Patienten im Alter von 2 bis 70 Jahren wurde durchgeführt, bei der eine PEA-basierte Creme den Einsatz von äußerlich angewendeten kortisonbasierten Präparaten reduzieren und darüber hinaus auch die Symptome einer atopischen Dermatitis lindern konnte. (5) 

CB1 könnte ebenfalls eine Rolle spielen bei atopischer Dermatitis. Hier haben sich Präparate, die Tetrahydrocannabinol (THC) oder ähnliche Stoffe enthalten, ebenfalls als wirksam bei der Behandlung dieser Art von Dermatitis erwiesen und damit die Wirksamkeit einer Behandlung mit medizinischem Cannabis bei Dermatitis nahegelegt. (6) 

Akne vulgaris

Akne wird irrtümlicher Weise oft als natürliches Charakteristikum der jugendlichen Entwicklungsphase angesehen, sie ist aber eigentlich eine echte Entzündungskrankheit, manchmal chronisch, und tritt als Folge einer Entzündung der Talgdrüsen der Haut auf, mit einer Überproduktion von Hauttalg einhergehend, was Pickel und Juckreiz verursacht. (7)

Akne und das Endocannabinoidsystem

Man hat in menschlichen Talgdrüsen Endocannabinoide gefunden, sowie auch CB2-Cannabinoidrezeptoren, deren Aktivierung die Talgproduktion steigert. (8) Neben CBD haben sich auch noch andere Phytocannabinoide als wirksam zur Reduzierung der Talkproduktion und von lokalen Entzündungen erwiesen, wie etwa Tetrahydrocannabivarin (THCV), Cannabidivarin (CBDV) und Cannabicromen (CBC) (9). Bei einer Studie aus dem Jahre 2015 erwies sich eine auf Hanfsamenextrakt basierte Creme als wirksam bei der Reduzierung der Talgproduktion und einer daraus resultierenden Hautrötung, und das ohne Nebenwirkungen. (10)

Zusammenfassung

Bei den Forschungsfeldern, in denen das Endocannabinoidsystem zum Tragen kommen könnte, ist das Gebiet der Hauterkrankungen eines der vielversprechendsten, obwohl hier noch nicht lange geforscht wird. Und momentan gibt es hier auch nicht viel Forschung, vielleicht weil die wirtschaftliche Rentabilität solcher Medikamente (besonders äußerlicher anzuwendender Präparate) im Vergleich zu anderen Leiden wie z. B. Systemerkrankungen relativ bescheiden ist. Trotzdem weisen präklinische Daten bei zahlreichen Hauterkrankungen auf die Wirksamkeit von Präparaten hin, die auf Cannabisextrakten, PEA, CBD und THC-Analogstoffen basieren. 

Quellen: 

1) Basu S, Dittel BN. Unraveling the complexities of cannabinoid receptor 2 (CB2) immune regulation in health and disease. Immunol Res. 2011;51(1): 26-38 
2) Yuan C, Wang XM, Guichard A, et al. N- palmitoylethanolamine and N- acetylethanolamine are effective in asteatotic eczema: results of a randomized, double-blind, controlled study in 60 patients. Clin Interv Aging. 2014 Jul 17;9:1163-9
3) Tey HL, Yosipovitch G. Targeted treatment of pruritus – a look into the future. Br J Dermatol. 2011 Jul; 165(1): 5–17.
4) Kircik L. A nonsteroidal lamellar matrix cream containing palmyitoylethanolamide for the treatment of atopic dermatitis. J Drugs Dermatol. 2010;9(4):334-338.
5) Eberlein B, Eicke C, Reinhardt HW, et al. Adjuvant treatment of atopic eczema: assessment of an emollient containing N- palmitoylethanolamine (ATOPA study) J Eur Acad Dermatol Venereol. 2008 Jan;22(1):73-82.
6) Wollenberg A, Seba A, Antal AS. Immunological and molecular targets of atopic dermatitis treatment. Br J Dermatol. 2014 Jul;170 Suppl 1:7-11.
7) Moradi Tuchayi S, Makrantonaki E, Ganceviciene R, et al. Acne vulgaris. Nat Rev Dis Primers. 2015 Sep 17;1:15029
8) Dobrosi N, Tóth BI, Nagy G, et al. Endocannabinoids enhance lipid synthesis and apoptosis of human sebocytes via cannabinoid receptor-2-mediated signaling. FASEB J. 2008;22(10):3685-3695