In der UN-Debatte über Drogen gab es kleine Schritte nach vorn, während Cannabiskonsumenten auf der ganzen Welt auf die Straße ziehen, um für eine Liberalisierung einzutreten…

Cannabis-Debatte verlagert sich von der UN auf die Straße

In Sachen Cannabis-Legalisierungsdebatte waren es zuletzt bewegte Monate, und es ist interessant, die Sache aus zwei verschiedenen Perspektiven zu sehen – von oben, der politischen Warte aus, und von unten, von der Straße aus.

Die Drogenreform-Highlights der UNGASS - Paradise SeedsDie Perspektive von oben wurden von der UNGASS (United Nations General Assembly Special Session / Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen), eingenommen, zu der sich Politiker aus der ganzen Welt – mit Anzug und Krawatte – in New York eingefunden hatten, um über Änderungen der internationalen Drogenpolitik zu debattieren. Zur gleichen Zeit gab es „unten“ massive Demonstrationen – von Menschen ohne Anzug und Krawatte – in Form von 420-Versammlungen und Million Marijuana Marches (Protestmärsche) in weltweit vielen Städten.

Die Drogenreform-Highlights der UNGASS

Insgesamt gab es nicht sonderlich viel Grund zum Jubeln nach der UNGASS (mehr Infos hierzu in unserem entsprechenden April-Artikel), wo eine aus ziemlichen Grünschnäbeln bestehende Reformbewegung auf eine Wand aus Anti-Drogen-Hardlinern traf, zu der Russland, Iran und Singapur gehörten. Aber obwohl der ganz große Durchbruch in dem Sinne ausblieb, dass es eine radikale Änderung des Umgangs dieser Welt mit Drogen gegeben hätte, machten einige Kommentatoren die Beobachtung, dass es doch kleine Veränderungen gegeben hat, die auf lange Sicht noch bedeutsam werden dürften.

Die Drogenreform-Highlights der UNGASS - Paradise SeedsDazu gehört die Verabredung, sich 2019 wiederzutreffen, sowie ein unterschwelliger Wechsel in der offiziellen Terminologie, denn der Begriff “Schadensminderung” wurde in die Debatte eingeführt, bei der die Betonung zuvor auf dem Wort „Zwangsmaßnahmen“ gelegen hatte. Zudem wurde akzeptiert, dass bezüglich des Umgangs von einzelnen Ländern mit den international bindenden UN-Drogen-Abkommen Flexibilität möglich sein müsse. Zwei Beispiele für diese Flexibilität (und auch Highlights der UNGASS 2016 für die Pro-Cannabis-Bewegung) waren entsprechende Ankündigungen von Kanada und Mexiko, die einen Weg beschreiten wollen, der vom Einheitsabkommen der Vereinten Nationen zu Betäubungsmitteln abweicht.

Die kanadische Regierung nutzte die Gelegenheit und bestätigte alle kursierenden Gerüchte, indem sie ankündigte, dass sie Cannabis 2017 legalisieren wird. Und der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto kündigte Reformpläne an, durch die medizinische Cannabisforschung und medizinischer Cannabiskonsum legalisiert und Strafen für den Besitz von weniger als 28 Gramm abgeschafft würden. Es waren also nur kleine Schritte auf der UNGASS 2016, aber wie schon der große chinesische Philosoph Lao Tzu sagte: “Eine tausend Meilen lange Reise beginnt immer mit einem einzelnen Schritt.“ Also heißt es, keine Zeit zu verlieren, und die nächste Versammlung 2019 zu planen...

Eine sehr große Schar von Million Marijuana-Marschierern

Während die Karrieristen-Politiker also die zukünftige Drogenpolitik diskutierten, zeigte der jährliche Million Marijuana March (Millionenfacher Marihuana-Marsch, auch „Global Marijuana March“ oder „Global Cannabis March“ genannt), durch die Proteste auf den Straßen in Städten auf der ganzen Welt sehr deutlich, dass sich zwischen den Hardlinern unter den Politikern und der öffentlichen Meinung zunehmend Gräben auftun.

MMM Argentina 2014 - Paradise SeedsDie MMM-Bewegung begann im Jahre 1999, und über die Jahre sind solche Märsche in 85 Ländern abgehalten worden. Entsprechende große Events gab es quer durch die USA und Kanada, Südamerika, Europa sowie in anderen Teilen der Welt, einschließlich eines ersten Marsches in der indischen Stadt Bengaluru. Eine der größten Protestveranstaltungen fand in Argentinien statt, wo mehr als 150.000 Menschen durch Buenos Aires marschierten und ein Ende der Kriminalisierung von Konsumenten und Growern forderten. Dieser Marsch, einer von 19 im ganzen Land, wurde von Familien mit an Epilepsie leidenden Kindern, deren Leben sich durch Cannabis positiv ändert, angeführt.

Die Cannabis-Legalisierungsdebatte kommt in Schwung

Wenn man aus den vergangenen zwei Monaten irgendetwas lernen kann, dann die Tatsache, dass an beiden Enden des Spektrums, also bei Politikern und „einfachen Menschen“, zunehmend der Ruf nach Veränderungen laut wird. Momentan mögen sie noch eine Minderheit sein, aber die Legalisierungsstimmen werden mit jedem Jahr, das ins Land geht, lauter... Und ganz sicher wird in der Zukunft eine Zeit kommen, zu der die politischen Entscheidungsträger gezwungen sein werden, zuzugeben, dass sie mit ihrer Meinung über die edle Pflanze Cannabis für eine kurze Periode in der Geschichte falsch lagen...