Mutant Weed: Verrückte Cannabis-Genetik!

„Mutant Weed“ war früher ein Grund zur Sorge. Doch mit wachsendem Wissen über Cannabis zeigt sich, dass Pflanzen, die sich aufgrund genetischer Mutationen ungewöhnlich entwickeln, für manche Grower ein spannendes Thema sind, das es näher zu erforschen gilt.

Bei Cannabispflanzen – wie bei allen lebenden Organismen – treten genetische Mutationen ganz natürlich auf. Auch wenn der Begriff zunächst alarmierend klingt, handelt es sich meist um harmlose genetische Besonderheiten. Tatsächlich haben genau diese „Macken“ den Züchtungsprozess im Cannabisbereich oft entscheidend vorangebracht.

Was sind genetische Cannabis-Mutationen?

Ganz einfach gesagt ist eine Mutation eine Veränderung in der DNA einer Pflanze. Diese genetischen Anpassungen können spontan auftreten oder durch Umweltstress, Chemikalien oder sogar gezielte Züchtungsexperimente ausgelöst werden. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:

Cannabis-Mutation: Eine dauerhafte Veränderung der DNA-Sequenz, die sichtbare Auswirkungen haben kann – aber nicht muss.

Cannabis-Merkmal (Trait): Oft eine Überlebensreaktion auf Umweltveränderungen. Ein klassisches Beispiel ist Hermaphroditismus bei Cannabispflanzen.

Häufige Cannabis-Mutationen, die zu „Mutant Weed“ führen

Mutationen kommen bei allen Pflanzen vor, fallen bei Cannabis jedoch besonders auf – dank der markanten Blattformen und Bud-Strukturen. Einige Mutationen sorgen dafür, dass Pflanzen sich auf überraschende Weise entwickeln. Hier sind einige der bekanntesten genetischen Kuriositäten, die zu Mutant-Weed-Erscheinungen führen:

Wirtelige Phyllotaxie (Whorled Phyllotaxy)
Bei den meisten Cannabispflanzen wachsen zwei Blätter pro Knoten in einem alternierenden Muster. Bei der seltenen Mutation der wirteligen Phyllotaxie wachsen jedoch drei oder mehr Blätter aus einem einzigen Knoten. Das kann der Pflanze ein buschigeres Aussehen verleihen und in manchen Fällen sogar die Erträge steigern. Garantiert ist das allerdings nicht – die Energieverteilung der Pflanze kann unberechenbar sein.

Cannabis-Genetik - Phyllotaxy
Ein Beispiel für Phyllotaxie (Quelle: Gow Barato)

Ducksfoot-Blätter
Eine der am leichtesten erkennbaren Cannabis-Mutationen ist Ducksfoot, benannt nach den charakteristischen, schwimmhautartigen Blättern. Statt der typischen gezackten Cannabisblätter besitzen Ducksfoot-Pflanzen breite, miteinander verwachsene Blattfinger, wodurch sie eher wie Wildpflanzen aussehen.

Cannabis-Genetik - Ducksfoot
Beispiel für Entenfuß (Quelle: Grow Diversity)

Seltene Cannabis-Mutationen

Albino- und panaschierte Cannabispflanzen
Gelegentlich entwickeln Cannabispflanzen albinoartige oder panaschierte Merkmale, bei denen Teile der Pflanze kein Chlorophyll enthalten. Albino-Pflanzen sind komplett weiß, während panaschierte Pflanzen grüne Bereiche mit weißen oder gelben Mustern aufweisen.

Diese Mutationen schwächen die Pflanze meist, da ihre Fähigkeit zur Photosynthese eingeschränkt ist. Albino-Cannabis ist extrem selten (bei Paradise haben wir in vielen Jahren nur sehr wenige Exemplare gesehen). Als Kuriosität im Growraum ist sie spannend – ertraglich bleibt sie jedoch deutlich hinter ihren grünen Geschwistern zurück.

Cannabis-Genetik - Albino
Ein Beispiel für Albino-Cannabis (Quelle: Soft Secrets)

Polyploidie
Entwickelt eine Cannabispflanze zusätzliche Chromosomensätze, spricht man von Polyploidie. Theoretisch kann dies zu größeren Pflanzen mit dickeren Buds und möglicherweise höherem THC- oder CBD-Gehalt führen – auch wenn das Ergebnis nicht immer vorhersehbar ist.

Cannabis-Genetik - Polyploidy
Ein Beispiel für Polyploidie (Quelle: Anna Schwabe, Linkedin)

Fasziation
Fasziation ist ein abnormales Wachstumsmuster, bei dem sich Stängel oder Blüten abflachen und verbreitern – sie wirken band- oder fächerförmig. Die Buds sehen oft so aus, als wären mehrere Blüten miteinander verschmolzen.

Mutant cannabis -fasciation
Ein Beispiel für Faszien (Quelle: Looper420, Reddit)

Cannabis-Mutationen: Was ist gut und was ist schlecht?

Mutationen können das Aussehen, das Wachstum und gelegentlich sogar das Cannabinoid- oder Terpenprofil einer Pflanze beeinflussen – perfekter Stoff für „Mutant Weed“-Schlagzeilen!

Allerdings sind nicht alle Mutationen wünschenswert. Während Polyploidie zum Beispiel bessere Buds hervorbringen kann, führen andere Mutationen zu schwachen Pflanzen mit geringerem Ertrag oder niedrigerer Potenz.

Es kommt also auf die Mutation an:

  • Wünschenswerte Mutationen wie wirtelige Phyllotaxie oder außergewöhnliche Blattmuster lohnen es, behalten und weiter zu beobachten. Sie können optisch überzeugen oder einfach ein spannender Hingucker sein.
  • Schädliche Mutationen wie schwache Stängel oder schlechte Bud-Entwicklung sollten aussortiert werden, um Zeit und Ressourcen zu sparen.

Einige Grower suchen gezielt nach mutierten Pflanzen für Züchtungsexperimente. Durch die Stabilisierung bestimmter Mutationen können völlig neue Strains mit einzigartigen optischen oder chemischen Eigenschaften entstehen.

Wie Cannabis-Züchtung Mutationen nutzt

Für Cannabis-Züchter bieten Mutationen die Chance, Pflanzen mit völlig neuen Eigenschaften zu entwickeln. Veränderungen im normalen Wachstum lassen sich gezielt nutzen – weit über einen kurzen „Mutant Weed“-Instagram-Post hinaus. Beispiele dafür sind:

  • Verbesserte Optik: Panaschierte Blätter, violette Färbungen oder wirtelige Phyllotaxie schaffen visuell auffällige Strains. In einem überfüllten Markt helfen solche Merkmale, sich abzuheben.
  • Höhere Potenz / größerer Ertrag: Mutationen wie Polyploidie (zusätzliche Chromosomensätze) können größere Buds, erhöhte Cannabinoidproduktion oder mehr Harz bedeuten.
  • Mehr Widerstandskraft: Mutationen, die Resistenz gegen Schädlinge, Schimmel oder raue Umweltbedingungen verleihen, sind besonders für den Outdoor-Anbau interessant.

Fazit

Mutant Weed in Form von Cannabis-Mutationen mag zunächst wie ein genetischer Zufall wirken, ist aber ein natürlicher Teil der Evolution der Pflanze. Für Konsumenten sind Mutationen meist vor allem wegen ihres Neuheits- und Kuriositätswertes interessant.

Für Grower hingegen können Mutationen entweder frischen Wind in den Growroom bringen – oder zum Partycrasher werden, wenn Potenz und Ertrag deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. 🌱

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